Fest der Hiebe?

Ute Steffens

Erziehungswissenschaftlerin

Die Enttäuschung ist immer so groß wie die die Erwartung

Als ich vor vielen Jahren  ein Frauenhaus geleitet habe,  herrschte dort um diese Zeit  Hochkonjunktur. Eine Kollegin reagierte damals mit diesem unter uns zum geflügelten Wort gewordenen Wortspiel.

Kein Feiertag 🎄bringt so viele, so hohe und auch überzogene Erwartungen hervor, und kein Feiertag ist ein solcher Brandbeschleuniger von ohnehin angespannten Beziehungen, wenn diese Erwartungen dann enttäuscht werden.

In den Jahrzehnten meiner Arbeit mit Trennungsfamilien habe ich so viele Trennungskinder erlebt, für die ihre Erinnerungen an Weihnachten einfach nur furchtbar waren. Dazu brauchte es nicht einmal Erfahrungen physischer Gewalt. Schon die angespannte Atmosphäre und die negative Energie gerade an Heiligabend reichte, um diesem Feiertag ängstlich, angespannt und voller Widerwillen entgegenzusehen.

Gerade die ersten Weihnachten nach einer Trennung sind eine unglaubliche Herausforderung, in sich hineinzuhorchen und die eigenen Gefühle ernstzunehmen, denn die sind Vorboten einer möglichen Eskalation.

Ernstzunehmen und von den diffusen Ansprüchen an das, was wir unter „guter“ Elternschaft verstehen, zu trennen. Gerade Trennungskinder  brauchen keine Eltern, die sich zusammenreißen! Sie brauchen das entspannte Zusammensein mit ihren Eltern – so wie diese in dieser Zeit nun einmal sind.

Das kann ich auch so kommunizieren: „weißt du, ich glaube, es hat niemand etwas davon, wenn Papa/Mama und ich zusammen mit euch Weihnachten feiern, denn im Moment ist so eine blöde Stimmung zwischen uns. und das hat Ü B E R H A U P T nichts mit euch zu tun!!! Ich denke, es ist besser, wenn ihr in diesem Jahr zwei Mal Weihnachten habt. Einmal mit Mama und einmal mit Papa. “

Kleinere Kinder entlastet der Zusatz: „Ich werde das mit Papa/Mama besprechen“. Ältere Kinder wollen in die Entscheidung, bei wem sie an Heiligabend sind, einbezogen werden.