Seifenblasen
„Ja, diese verflixten Feiertage…!"
Ich habe die Wahl zwischen Pest und Cholera, so scheint es mir.
Entweder, uns gelingt es, den Kindern zuliebe auf heile Welt zu machen. Dann treffen wir uns zum Ostereier-Suchen und zum gemeinsamen Osterfrühstück der Rama-Familie aus dem Fernsehen.
Oder die Kinder sind bei Charlotte. Das bedeutet für mich einen Anruf, bei dem ich mich zusammenreiße und munter frage: „Na? War denn der Osterhase da?“. Mir anhöre, wie die Kinder diesen Tag erlebt haben und es mir nicht so recht gelingen will, mich aufrichtig mit ihnen zu freuen, weil mir die Traurigkeit wie Gicht in den Knochen steckt.
Oder aber die Kinder sind bei mir, ein echter Hauptgewinn! Sie jagen mit ihren Körbchen geschäftig durch den Garten, die Sonne scheint – und dann fällt mich der Schmerz an wie ein wildes Tier, weil Charlotte hier so fehlt. Weil mir die alten Zeiten so fehlen. Weil es nie wieder so werden wird. Weil sie jetzt hinter ihrem Neuen sitzend mit dem Motorrad eine Spritztour in den Schwarzwald macht. Wir haben alle drei Varianten bereits einmal durchgespielt. Inzwischen sind unsere Zwillinge 7 Jahre alt, und wir müssen besprechen, wie es dieses Mal werden soll.
Eigentlich habe ich mich ganz gut mit der Trennung arrangiert. Im Alltag ist das völlig ok. Wir kriegen das mit unseren Mädels ganz gut hin, denke ich. Aber dieser Schmerz, der kommt gerade an Feiertagen immer mal – oft völlig unverhofft – wieder hoch. Ich glaube, es ist nicht die Trauer um unsere Liebesbeziehung. Es ist dieses Gefühl, gescheitert zu sein. Ich habe so sehr an unseren Lebensplan geglaubt, und nun spielt darin ein anderer die Hauptrolle.
In der Gruppe habe ich mal den Satz gehört: „Im Selbstmitleid duschen ist erlaubt, doch darin zu baden strengstens verboten!“ Der reißt mich dann aus meinen trüben Gedanken. Denn mal ehrlich: was nützt es, mich darin zu suhlen, dass mein Traum vom heilen Familienleben wie eine Seifenblase zerplatzt ist? Letztlich verpasse ich den Moment, das Hier und Jetzt, in dem das Leben passiert.
Ich bin nicht so ein Rudeltier, deshalb bringen mir solche Veranstaltungen wie Single-Wanderungen an den „neuralgischen Punkten“ im Jahr nichts. Mein Freund Gert hat dort vor einem Jahr seine neue Liebe getroffen, und nun meint er, mich immer wieder auf sowas hinweisen zu müssen. Nee. Als ich Ostern allein war, da hab ich mich endlich dazu aufgerafft und erst mein Werkzeug sortiert und dann meinen Computer aufgeräumt. Es tut mir gut, mich zu beschäftigen und etwas zu schaffen. Dann geht es mir besser. Meine Oma hat immer gesagt: „Kein Gefühl dauert ewig“ – und das stimmt tatsächlich – im Glück wie im Unglück.